KJM bewertet weitere Altersverifikationssysteme positiv
Mehr Schutz durch technische Alterskontrollen
Die Kommission für Jugendmedienschutz (KJM) hat vier weitere Systeme zur Altersverifikation (AVS) positiv bewertet. KJM-Vorsitzender Dr. Marc Jan Eumann: „Kinder wachsen heute digital auf – der Zugang muss altersgerecht sein. Altersverifikationssysteme sind kein technisches Beiwerk, sondern zentrale Schutzmechanismen.“
Folgende AV-Konzepte hat die KJM beurteilt:
- Checkout.com's „Identity Verification Produkt“ (Modul)
- „Kanzaroo KYC Match ID-Verify“ der InternetQ GmbH (Modul)
- „SafePassage Module-Only Solution“ (Modul) und „SafePassage + Emblem Master Key Solution“ (Gesamtkonzept) der VerityGuard LLC
Das „Identity Verification-Produkt“ von Checkout.com führt die Identifizierung mithilfe einer Software durch, die biometrische Daten aus einem Video des Gesichts der Nutzer*innen mit dem Foto auf dem Ausweisdokument vergleicht. Darüber hinaus ermöglicht das System die Echtheitsprüfung des Dokuments sowie die automatische Erfassung der darin enthaltenen Informationen.
„Kanzaroo KYC Match ID-Verify“ der InternetQ GmbH ist ein Identifizierungssystem, das auf den beim Mobilfunknetzbetreiber gespeicherten Bestandsdaten basiert und die eingegebenen personenbezogenen Daten sowie die Mobilfunknummer automatisiert mit diesen abgleicht. Es ist für Vertrags- und Prepaidkunden nutzbar und stützt sich auf die Mobile-Connect-Initiative der GSMA. Ergänzend kommen eine Ausweis- und Lebendigkeitsprüfung mittels biometrischer Merkmalsanalyse sowie eine medienbruchfreie, verschlüsselte Integration in den Ablauf des jeweiligen Diensteanbieters zum Einsatz.
Bei dem System „SafePassage Module-Only Solution“ der VerityGuard LLC der handelt es sich um ein Identifizierungskonzept, welches eine Identifizierung mittels eines automatisierten Prozesses unter Abgleich biometrischer Daten ermöglicht. Dabei wird mittels des neuronalen Netzwerks das Alter eingeschätzt. Sollte das geschätzte Alter des Nutzers unterhalb des geforderten Schwellenwertes (hier 23 Jahre) liegen, können Nutzende sich mit Hilfe ihres Ausweisdokuments verifizieren.
Beim Gesamtkonzept „SafePassage + Emblem Master Key Solution“ erfolgt die Identifizierung über das System „SafePassage Module-Only Solution“. Im Anschluss wird der Nutzende an „Emblem“ zurückgeleitet und zur Anlage eines Accounts aufgefordert. Nach erfolgreicher Anmeldung wird ein Verifizierungstoken auf dem Endgerät des Nutzers hinterlegt. Die Authentifizierung kann auf unterschiedlichen Wegen, etwa per SMS-PIN oder mittels biometrischer Verfahren, erfolgen.
Die KJM kam nach Prüfung dieser Konzepte zu dem Ergebnis, dass sie in der vorgelegten Version und bei entsprechender Umsetzung als vollständiges AV-Konzept bzw. als Teillösungen im Bereich der Identifizierung im Sinne der KJM-Kriterien zur Sicherstellung einer geschlossenen Benutzergruppe für Erwachsene gemäß Jugendmedienschutz-Staatsvertrag (JMStV) geeignet sind. Bei „SafePassage Module-Only“ ist eine feste Voreinstellung eines Puffers von fünf Jahren verpflichtend und darf nicht veränderbar sein.
Gemäß des „AVS-Rasters“ der KJM (gültig seit dem 12.05.2022) muss zumindest die einmalige Identifizierung von Interessenten für eine geschlossene Benutzergruppe grundsätzlich durch persönlichen Kontakt erfolgen. Unter „persönlichem Kontakt“ ist grundsätzlich eine Angesichts-Kontrolle unter Anwesenden („face-to-face“-Kontrolle) mit Vergleich von amtlichen Ausweisdaten (Personalausweis, Reisepass) zu verstehen.
Von einer Angesichts-Kontrolle unter Anwesenden („face-to-face“-Kontrolle) kann abgesehen werden, wenn die Identifizierung mittels einer Software durch einen Vergleich der biometrischen Daten des Ausweisdokuments und einem Lichtbild des zu Identifizierenden sowie einer automatischen Erfassung der Daten des Ausweisdokuments erfolgt.
Von einer Angesichts-Kontrolle unter Anwesenden („face-to-face“-Kontrolle) mit Vergleich von amtlichen Ausweisdaten (Personalausweis, Reisepass) kann zudem abgesehen werden, wenn für die Altersprüfung ein Verfahren auf Grundlage einer automatisierten, kamerabasierten Altersermittlung genutzt wird, in dessen Rahmen eine Software Aussagen über die Wahrscheinlichkeit des Alters der zu identifizierenden Person anhand biometrischer Merkmale eines Live-Kamerabildes trifft und dabei den Zuverlässigkeitsgrad einer persönlichen Altersprüfung erreicht.