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Reality-TV

Egal ob „Deutschland sucht den Superstar“, „Germanys next Topmodel“ oder „Erwachsen auf Probe“: Die so genannten Reality-Shows vermitteln den Zuschauern vermeintliche Wirklichkeit, den Teilnehmern kurzzeitig Popularität. Sie sind Unterhaltungssendungen, die sich zur Bühne herausgehobener Aktionen machen, mit denen aber direkt oder konkret in die Alltagswirklichkeit der Menschen eingegriffen wird. Wirkliche Ereignisse werden nachgestellt und serialisiert. Reality-Shows enthalten Elemente der Personalisierung, Emotionalisierung, Intimisierung, Dramatisierung und der Inszenierung. Meist stehen nicht-prominente Menschen im Mittelpunkt der Sendungen, die zudem oft einen Live-Charakter vortäuschen. Vor allem aber geht es um das individuelle Verhalten der Figuren sowie um Beziehungsstress in einer künstlichen Situation, die von der Außenwelt isoliert ist.

Die KJM stellte bei Reality-Shows bereits mehrfach Verstöße gegen Jugendschutzbestimmungen fest. Bei verschiedenen Folgen von „Deutschland sucht den Superstar“ war eine Entwicklungsbeeinträchtigung von Kindern unter zwölf Jahren nicht auszuschließen – aufgrund des herabwertenden Verhaltens der Jury und der redaktionellen Gestaltung der Casting-Auftritte durch den TV-Sender RTL, die ganz gezielt die Kandidaten lächerlich machte.

Aber auch wenn - wie dies bei "Erwachsen auf Probe" der Fall war - TV-Sendungen nicht gegen geltendes Recht verstoßen, wird klar: Sensibilität und Verantwortungsbewusstsein sind bei den TV-Verantwortlichen gefragt. So hat die KJM deutliche Kritik an Anlage und Produktionsbedingungen des Formats "Erwachsen auf Probe" geübt, bei dem vier jugendliche Paare einen Testlauf als junge Eltern absolvieren und erleben, was es bedeutet, für Kinder in unterschiedlichen Alterstufen - vom Baby bis zum Teenager - zu sorgen. Säuglinge werden nach Auffassung des Gremiums für dramaturgische Effekte eingesetzt und die jugendlichen Teilnehmer – mit Berufung auf ein oberflächliches und vermeintlich pädagogisches Ziel – einem Realitätsschock ausgesetzt. Sie werden von Erziehern und so genannten Experten beobachtet und kontrolliert, erhalten jedoch keine echte und umfassende Hilfe, beispielsweise von Vertrauenspersonen aus ihrem familiären Umfeld. Nach Einschätzung der KJM ist „Erwachsen auf Probe“ weder pädagogisch wertvoll noch pädagogisch begründet.

Tabubrüche, wie sie im Fernsehen gezeigt und von den Zuschauern empfunden werden, stellen eine Belastungsprobe für das Zusammenleben in unserer Gesellschaft dar. Programmmacher vernachlässigen bisweilen die moralisch-ethische Dimension – oder fordern bewusst die Reaktion der Öffentlichkeit heraus. Dagegen braucht es die gesellschaftliche Auseinandersetzung um Werte.


Literatur

  • Faulstich, Werner (2008): Grundkurs Fernsehanalyse. Paderborn.
  • Lücke, Stephanie (2002): Real Life Soaps. Ein neues Genre des Reality-TV. Münster.
  • Lünenborg, Margreth, Dirk Martens, Tobias Köhler, Claudia Töpper:
    Skandalisierung im Fernsehen. Strategien, Erscheinungsformen und Rezeption von Reality TV Formaten. Berlin (Vistas) 2011. Schriftenreihe Medienforschung der Landesanstalt für Medien NRW (LfM), Band 65.