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Porno- und Gangster-Rap

Deutschsprachiger Rap hat in den letzten Jahren aufgrund problematischer Textinhalte vermehrt die Aufmerksamkeit der Öffentlichkeit und des Jugendschutzes auf sich gezogen. Denn Porno- und Gangster-Rapper wie Sido, Bushido, Frauenarzt oder King Orgasmus One singen respektlos und abwertend über alle vorstellbaren und nicht vorstellbaren Sexualpraktiken, Vergewaltigung und Gewalt.

Darüber hinaus gibt es auch nichtkommerzielle Formen von Rap-Songs, die von Jugendlichen selbst produziert und ins Netz gestellt werden. Diese Lieder sehr jugendaffin und ein nicht unwesentlicher Teil der Jugendkultur. Es ist anzunehmen, dass die Interpreten solcher Rap-Songs Vorbildfunktion – und Identifikationspotenzial für Jugendliche haben. Eine Entwicklung, die aus Jugendschutz-Perspektive nicht unproblematisch ist.

Insbesondere in den letzten beiden Jahren bezog sich eine ganze Reihe von KJM-Prüffällen im Bereich Rundfunk – aber auch in den Telemedien – auf Rap-Inhalte. Dabei handelte es sich meist um Inhalte, die im Internet von Jugendlichen selbst auf Video-Plattformen oder Hip-Hop-Foren eingestellt worden waren. Zum jeweiligen Song generiert der Nutzer häufig eine Bildebene, die weniger problematisch ist. Auf textlicher Ebene setzen sich jedoch einige Songs auf bedenkliche Art und Weise mit Sexualität, Geschlechterbildern und Gewalt auseinander. Die Sprache ist somit ein entscheidendes Element bei der Bewertung der Jugendschutzrelevanz.

Viele Songs enthalten pornografische Elemente. Sie schildern grob-anreißerisch sexuelle Handlungen – und zum Teil auch außergewöhnliche Sexualpraktiken. Frauen werden als sexuelle Dienstleisterinnen von Männern dargestellt, die jederzeit für Sex verfügbar sein müssen. Dabei stehen Sexualität und Gewalt häufig in einem Handlungskontext: Die sexuelle Befriedigung des Mannes kann auch gegen den Willen von Frauen stattfinden – so die Aussagen einiger Liedtexte. Die genannten Aussagen entsprechender Songs, zum Teil in Verbindung mit einer problematischen Bildebene, widersprechen damit direkt wichtigen Erziehungszielen in der Adoleszenzphase: der Bildung von Geschlechtsidentität und der eigenen Sexualität.

Aufgrund der Prüffälle hat die KJM in der Vergangenheit immer wieder die Frage thematisiert, wie sich die Texte und Bilder von Rap und Hip-Hop auf Kinder und Jugendliche auswirken. Doch dazu gibt es kaum Forschungsergebnisse. In der Öffentlichkeit wird zunehmend eine sexuelle Verwahrlosung von Jugendlichen thematisiert, die auch auf diese Musikformen zurückgeführt wird. Um Fachaussagen und wissenschaftliche Einschätzungen für die Bewertungspraxis zu erhalten, diskutierte die KJM die Jugendschutzrelevanz von Rap- und Hip-Hop-Liedern in Form eines Expertenhearings.

Wenngleich kritisch diskutiert: Jugendschutz ist keine Frage des Geschmacks und auch keine Frage von Jugendkulturen. Sein Ziel ist es vielmehr, Einflüsse der Erwachsenenwelt, die dem Entwicklungsstand von Kindern und Jugendlichen noch nicht entsprechen, möglichst gering zu halten und Minderjährige in ihrer Persönlichkeitsentwicklung zu unterstützen. Damit geht es auch beim Thema Porno- und Gangster-Rap einmal mehr um den Balanceakt zwischen Kunst- und Informationsfreiheit auf der einen und der Verantwortung Kindern und Jugendlichen gegenüber auf der anderen Seite.