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13.11.2015

KJM-Pressemitteilung 18/2015; Jugendmedienschutz im Praxis-Check: Zukunftsorientierte Regulierung gefordert

Die Kommission für Jugendmedienschutz (KJM) hat in ihrer Veranstaltung „KJM im Dialog“ vom 11.11.2015 in der Niedersächsischen Landesvertretung in Berlin die aktuellen und geplanten Neuregelungen im Jugendmedienschutz auf den Prüfstand gestellt. Der KJM-Vorsitzende, Siegfried Schneider, betonte in seinem Grußwort, dass Medienregulierung inhaltsorientiert sein müsse: „Die gesetzlichen Grundlagen des Jugendmedienschutzes in Deutschland – allen voran der Jugendmedienschutz-Staatsvertrag (JMStV) – beruhen noch auf dem Prinzip der Trennung von linearen und non-linearen Angeboten. Allerdings nutzen Kinder und Jugendliche immer weniger das lineare Fernsehen. Somit brauchen wir neue Regelungen, die sich nicht mehr am Verbreitungsweg, sondern am Inhalt orientieren.“

Isabell Rausch-Jarolimek, Bereichsleiterin Jugendmedienschutz der Gemeinsamen Geschäftsstelle der Medienanstalten, ließ in einer Einstiegspräsentation den Jugendmedienschutz im Wandel der Zeit Revue passieren. Während man früher noch mit auf einen Verbreitungsweg reduzierten Endgeräten konfrontiert gewesen war, sei die mobile Nutzung und Verschmelzung von Inhalten auf einem Gerät heute zur Realität geworden. Aufgrund des rasanten technologischen Fortschritts seien die Herausforderungen der Anpassung einer veralteten Regulierung an die neuen Verhältnisse umso größer.

In der anschließenden Podiumsrunde diskutierte Moderator Thomas Krüger, stellv. KJM-Vorsitzender und Präsident der Bundeszentrale für politische Bildung, mit Experten aus Politik, Aufsicht, Wirtschaft, Medienbildung und Schule die aktuellen Fragen zum Jugendmedienschutz.

Sorina Lungu, Schülerin und Scout der Selbstschutzplattform juuuport, zeigte zu Beginn mit der Aussage „Welches Kind guckt denn eigentlich noch Fernsehen?“, wie sehr sich die Mediennutzung von Kindern und Jugendlichen verändert habe und forderte gleichzeitig mehr Beteiligung der Jugendlichen bei der Gestaltung des Jugendmedienschutzes ein.

Susanne Böhmig, Leiterin von „barrierefrei kommunizieren!“ der Technischen Jugendfreizeit- und Bildungsgesellschaft (tjfbg) betonte die Notwendigkeit, Eltern für Jugendmedienschutz zu sensibilisieren. Probleme seien vor allem im technischen Jugendmedienschutz noch deutlich sichtbar, denn verschlüsselte Seiten könnten von Schutzprogrammen oft nicht ausgelesen werden. Um Jugendmedienschutz auch für Eltern praktikabel zu machen, regte Böhmig an, dass vorkonfigurierte Filtermöglichkeiten eine gute Lösung sein könnten.

Die Tatsache, dass Jugendmedienschutz gerade im Online-Bereich auch für Unternehmen herausfordernd sei, betonte Susanne Ahrens, Jugendschutzbeauftragte der ProSiebenSat.1 Digital GmbH. Im Online-Bereich seien Konzepte gefragt, die international anschlussfähig seien. Die Bewertung von Online-Angeboten durch staatliche Verwaltungsakte sei dabei kein praktikabler Lösungsvorschlag.

Hinsichtlich der Veränderungen aufgrund der Medienkonvergenz unterstrich Andreas Fischer, stellv. Vorsitzender der KJM und Direktor der Niedersächsischen Landesmedienanstalt (NLM): „Die Aufsicht muss mit dem Instrumentenkasten arbeiten, der ihr zur Verfügung steht. Dieser muss so angepasst werden, dass aktuelle Herausforderungen bewältigt werden können.“

Darüber, dass Jugendmedienschutz auch im Zeitalter des Internets seine Berechtigung hat, waren sich die Beteiligten einig. Antje Höhl, Medienreferentin der Niedersächsischen Staatskanzlei, verglich den Jugendmedienschutz mit der Straßenverkehrsordnung und sagte: „Diese wird auch nicht abgeschafft, nur weil es täglich Regelverstöße gibt.“ Bei der Novelle des JMStV stehe für die Länder im Vordergrund, dass der Jugendmedienschutz weiter entwickelt werde. Dazu habe man die Selbstkontrollen gestärkt, die Anforderungen an Jugendschutzprogramme präzisiert und eine Durchwirkungsregelung von Alterskennzeichen vorgesehen. Andreas Fischer ergänzt, dass die Novellierung auf Vorschlag der KJM eine wichtige Klarstellung zum Beurteilungsspielraum der Selbstkontrolleinrichtungen enthält. Im Bereich der Programmtrailer mit Bewegtbildern hätte die derzeitig geplante Regelung jedoch eine Absenkung des Schutzniveaus zur Folge.

Im Bezug auf die Novellierung des JMStV warte man nun auf die Ratifizierung in den Landesparlamenten, die Anfang 2016 starte. Die Diskutanten erhofften sich, dass die Umsetzung Lösungen für alle Beteiligten beeinhalte.


Kontakt

KJM-Vorsitzender
Andreas Fischer
Telefon: +49 (0)30 2064690-0

Isabell Rausch-Jarolimek
Bereichsleiterin Jugendmedienschutz
Telefon: +49 (0)30 2064690-50

rausch-jarolimek(at)die-medienanstalten.de

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