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20.08.2015

KJM-Pressemitteilung 12/2015; Rundfunk- und Telemedien-Prüffälle der KJM im ersten Halbjahr 2015

Die Kommission für Jugendmedienschutz (KJM) hat im ersten Halbjahr 2015 insgesamt 32 Verstöße gegen die Bestimmungen des Jugendmedienschutz-Staatsvertrags (JMStV) festgestellt. Neun davon kommen aus dem Rundfunk-, 23 aus dem Telemedienbereich.

Rundfunk

Eine unzulässige Ausstrahlung stellte die KJM in folgenden Fällen fest:

  • Tele 5 zeigte um 23:46 Uhr und in einer Wiederholung um 03:35 Uhr den Spielfilm „Death Race 2“ in einer indizierten Version. Der Spielfilm, in dem Gefängnisinsassen an Todesrennen in gepanzerten und mit Waffen ausgestatteten Autos teilnehmen, war mit Entscheidung vom 03.08.2012 durch die Bundesprüfstelle für jugendgefährdende Medien indiziert worden. Indizierte Filme dürfen im Fernsehen grundsätzlich nicht gezeigt werden.


Eine Entwicklungsbeeinträchtigung für unter 16-Jährige (Sendezeitgrenze 22:00 Uhr) stellte die KJM in folgenden Fällen fest:

  • kabel eins strahlte ab 20:15 Uhr und in einer Wiederholung um 12.50 Uhr die Reportage „K1 Reportage Spezial: Blaulicht im Rotlicht – Einsatz auf dem Kiez“ aus. Die Reality-Dokumentation berichtet ausnahmslos über die Einsätze von Polizei und Sanitätern im Bereich von Alkohol- und Drogenmissbrauch, käuflichem Sex und damit verbundenen Gewalttaten und präsentiert somit ein eindimensional-trostloses Weltbild. Die Sendung ist nach Auffassung der KJM entwicklungsbeeinträchtigend für Kinder oder Jugendliche unter 16 Jahren. 


Eine Entwicklungsbeeinträchtigung für unter 12-Jährige (Sendezeitgrenze 20:00 Uhr) stellte die KJM in folgenden Fällen fest:

  • ProSieben verbreitete um 11:15 Uhr eine Programmankündigung zur Sendung „Galileo“. Der Trailer zeigt mehrere Untote/Zombies und kündigt an, dass die Galileo-Sendung am gleichen Abend Überlebensstrategien für eine von Zombies beherrschte Welt darlegt. Die Dramaturgie des Trailers ist so gewählt, als handele es sich um eine reale Berichterstattung. Die KJM stufte das Angebot daher als entwicklungsbeeinträchtigend für Kinder unter 12 Jahren ein.
  • VIVA strahlte um 16:35 Uhr und in einer Wiederholung um 16:04 Uhr die Folge „Steve schlägt zurück“ der Serie „American Dad“ aus. In der gegenständlichen Folge soll ein Sohn zu einem „echten“ Mann erzogen werden. Hierfür überfällt und verprügelt der Vater den Sohn mehrfach. Die Folge weist ein sich kontinuierlich steigerndes Gewaltniveau auf und endet mit einer mehrminütigen Schlägerei. Damit wird die Botschaft vermittelt, dass Gewalt ein adäquates Mittel der Konfliktbewältigung sei. Nach Auffassung der KJM ist die Episode daher entwicklungsbeeinträchtigend für Kinder unter 12 Jahren.


Verstöße gegen § 10 Abs. 1 JMStV (Programmankündigung) stellte die KJM in folgenden Fällen fest:

  • ProSieben zeigte einen Programmtrailer mit Bewegtbildern zum Film „Quarantäne“ um 20:53 Uhr. Die Freiwillige Selbstkontrolle der Filmwirtschaft (FSK) hatte den Film mit einer Freigabe ab 16 Jahren gekennzeichnet.
  • Weiterhin strahlte ProSieben einen Programmtrailer mit Bewegtbildern zum Film „The Crazies – Fürchte Deinen Nächsten“ um 20:49 Uhr aus. Die Freiwillige Selbstkontrolle Fernsehen (FSF) hatte eine geschnittene Fassung des Filmes ab 16 Jahren freigegeben.

Programmankündigungen mit Bewegtbildern für Sendungen, die aus Jugendschutzgründen erst ab 22:00 oder 23:00 Uhr ausgestrahlt werden dürfen, unterliegen derselben Sendezeitbeschränkung wie die angekündigte Sendung selbst. In beiden Fällen hätte der Programmtrailer daher nach Ansicht der KJM erst nach 22:00 Uhr ausgestrahlt werden dürfen.


Telemedien

Die Jugendschutzrelevanz von Internetinhalten ist in der Regel ungleich höher als die von Fernsehsendungen. Weil Angebote im Netz außerdem nicht nur zu einem bestimmten Zeitpunkt, sondern meist über einen längeren Zeitraum online sind, berichtet die KJM über die Verstöße in Telemedien anonymisiert.

Absolut unzulässige Angebote (dürfen in Telemedien gar nicht zugänglich gemacht werden):

  • Ein Angebot, welches Lizenzschlüssel für Computerspiele bereitstellt, verbreitet Inhalte, die in Listenteil A und B der BPjM aufge-nommen sind. Außerdem wirbt das Angebot für indizierte Medien und stellt entwicklungsbeeinträchtigende Inhalte zur Verfügung.
  • Ein Angebot ist nach dem JMStV absolut unzulässig, da es den Holocaust leugnet und auf indizierte Angebote, die in Listenteil D der BPjM aufgenommen sind, verlinkt.
  • Acht Angebote verbreiteten Kennzeichen verfassungswidriger Organisationen. Sieben von ihnen verlinken außerdem auch auf indizierte Angebote, die in Listenteil D der BPjM aufgenommen wurden  und darüber hinaus als volksverhetzend anzusehen sind.


Relativ unzulässige Angebote (dürfen in Telemedien nur Erwachsenen zugänglich gemacht werden):

  • Acht Verstöße beziehen sich auf Angebote, die einfache Pornografie beinhalten. Da die Angebote nicht innerhalb geschlossener Benutzergruppen, sondern frei zugänglich sind, verstoßen die Anbieter gegen den JMStV.
  • Zwei Angebote wurden als offensichtlich schwer jugendgefährdend eingestuft, da sie extreme Praktiken aus dem Bereich der Fetisch-Sexualität zeigen. Das Angebot zeichnet sich ausschließlich durch die Darstellung von Fetischhandlungen aus, die mit dem Quälen und Erniedrigen von Menschen verbunden sind.


Entwicklungsbeeinträchtigende Angebote (Anbieter muss dafür Sorge tragen, dass Kinder und Jugendliche der betroffenen Alterststufe Angebote üblicherweise nicht wahrnehmen):

  • Zwei Angebote stellen aufgrund entwicklungsbeeinträchtigender Inhalte einen Verstoß gegen die Bestimmungen des JMStV dar. Sie zeigen explizite Schilderungen sexueller Vorgänge unterhalb der Pornografieschwelle, die nach Auffassung der KJM auf Kinder und Jugendliche unter 18 Jahren entwicklungsbeeinträchtigend wirken.
  • Ein Angebot macht entwicklungsbeeinträchtigende Inhalte zugänglich, indem es dem deutschen Volk in der NS-Zeit durchgängig eine Opferrolle zuschreibt und keine kritische Auseinandersetzung mit dem NS-Regime leistet. Nach Auffassung der KJM sind die Inhalte entwicklungsbeeinträchtigend für Kinder oder Jugendliche unter 18 Jahren.


Indizierungen

  • In 72 Fällen beantragte die KJM im ersten Halbjahr 2015 die Indizierung eines Telemedienangebots bei der BPjM. Die Anträge bezogen sich zum Großteil auf Internetangebote mit pornografischen Darstellungen, aber auch auf solche mit rechtsextremistischen oder gewalthaltigen Inhalten.
  • In weiteren 209 Fällen gab die KJM eine Stellungnahme zu Indizierungsanträgen anderer antragsberechtigter Stellen bei der BPjM ab, die von der BPjM bei ihrer Entscheidung maßgeblich zu berücksichtigen sind. Bei diesen Anträgen war eine Vielfalt an inhaltlichen Themen, wie pornografische, gewalthaltige oder rechtsextremistische Inhalte oder Darstellungen von Kindern und Jugendlichen in unnatürlich geschlechtsbetonter Körperhaltung festzustellen.


Damit befasste sich die KJM seit ihrer Gründung im April 2003 mit mehr als 6.600 Fällen.


Hintergrund

Die KJM beschloss in o. g. Prüffällen – je nach Art und Schwere der Verstöße – Beanstandungen, Untersagungen und/oder Geldbußen. Die entsprechenden Verwaltungs- und Ordnungswidrigkeitenverfahren führen die jeweils zuständigen Landesmedienanstalten durch. Strafrechtlich relevante Inhalte geben die Landesmedienanstalten an die zuständigen Staatsanwaltschaften ab.

Bei der Aufsicht über den Rundfunk arbeitet die KJM Hand in Hand mit den Landesmedienanstalten: Sie beobachten, prüfen und bewerten potenziell problematische Rundfunkangebote und leiten – bei Feststellen eines Anfangsverdachts auf einen Verstoß gegen den JMStV – der KJM die entsprechenden Prüffälle zur Entscheidung zu. Im Internetbereich unterstützen jugendschutz.net und die Landesmedienanstalten die KJM bei ihren Aufgaben: So treten jugendschutz.net oder auch die Landesmedienanstalten selbst bei der Annahme von Verstößen vorab an die Anbieter heran und weisen diese auf mögliche Verstöße gegen den JMStV hin. Auf diese Weise können bereits im Vorfeld viele Internetfälle ohne aufwändiges Verfahren geklärt werden. Erst bei Nichtabhilfe oder in besonders schweren Fällen schreitet die KJM ein.

Indizierungen fallen in das Aufgabengebiet der Bundesprüfstelle für jugendgefährdende Medien (BPjM). Die KJM ist in dem Zusammenhang einerseits für die Abgabe von Stellungnahmen zu Indizierungsanträgen im Bereich der Telemedien zuständig und kann andererseits selbst Indizierungsanträge stellen.





Kontakt

KJM-Vorsitzender
Andreas Fischer
Telefon: +49 (0)30 2064690-0

Isabell Rausch-Jarolimek
Bereichsleiterin Jugendmedienschutz
Telefon: +49 (0)30 2064690-50

rausch-jarolimek(at)die-medienanstalten.de

Hinweis

Pressemitteilungen, die älter als ein Jahr sind, finden sie im Archiv.