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28.01.2016

KJM-Pressemitteilung 01/2016; Bataclan-Foto: Kein Verstoß gegen die Menschenwürde bei Bild.de

Die Kommission für Jugendmedienschutz (KJM) hat in ihrer gestrigen Sitzung ein Angebot geprüft, das am 15.11.2015 auf Bild.de veröffentlicht wurde. Nach einstimmiger Einschätzung der KJM liegt dabei kein Verstoß gegen die Menschenwürde vor.

Bei dem Angebot handelt es sich um einen Artikel im Kontext der Berichterstattung über die Terroranschläge in Paris vom 13.11.2015, bei denen weit über einhundert Menschen ums Leben gekommen sind. Der Artikel beschreibt die Geschehnisse im Konzertsaal „Bataclan“ in Verbindung mit einem Foto, auf dem der Innenraum der Konzerthalle zu sehen ist. Auf dem blutverschmierten Boden liegen zahlreiche Leichen in deutlich sichtbaren Blutlachen. Die KJM hat geprüft, ob das Angebot gegen die Menschenwürde verstößt und somit unzulässig ist. Dies ist insbesondere dann der Fall, wenn Menschen leidend oder sterbend dargestellt und dabei zum Objekt herabgewürdigt werden. Um als Menschenwürdeverstoß bewertet zu werden, muss die Darstellung darüber hinaus ein tatsächliches Geschehen wiedergeben, ohne dass ein berechtigtes Interesse gerade für diese Form der Darstellung oder Berichterstattung vorliegt. Reine Geschmacksfragen spielen bei Prüfungen der KJM keine Rolle.

Vor diesem Hintergrund hat die KJM ihre Entscheidung gegen einen Menschenwürdeverstoß aus zwei Gründen getroffen: Zum einen bietet das in das Angebot eingebundene Foto einen Überblick über einen großen Ausschnitt des gesamten Tatorts. Die Leichen nehmen dabei nur einen geringen Teil an der Gesamtfläche der Abbildung ein. Gesichter sind nicht zu erkennen und es werden keine Verletzungen in den Fokus der Abbildung gerückt. Somit wurde die Subjektqualität der abgebildeten Menschen nicht missachtet. Zum anderen umfasst die Pressefreiheit die freie Wahl der Art und Weise, in der über ein Ereignis berichtet wird. Der Artikel behandelt ein Ereignis des aktuellen Tagesgeschehens von größtem öffentlichem Interesse und das Foto soll die Dramatik der Ereignisse sowie ihre schrecklichen Folgen veranschaulichen. Es kann zudem angenommen werden, dass Bilddokumente die Authentizität der Berichterstattung erhöhen. Somit lag ein berechtigtes Interesse für die Form der Darstellung und Berichterstattung vor.


Kontakt

KJM-Vorsitzender
Andreas Fischer
Telefon: +49 (0)30 2064690-0

Isabell Rausch-Jarolimek
Bereichsleiterin Jugendmedienschutz
Telefon: +49 (0)30 2064690-50

rausch-jarolimek(at)die-medienanstalten.de

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