Jugendschutz im Rundfunk

Beurteilungsmaßstäbe

Die rechtliche Grundlage für die Bewertung von Rundfunk- und Telemedieninhalten bildet der JMStV, der zwischen unzulässigen und entwicklungsbeeinträchtigenden Angeboten unterscheidet. Die KJM hat darüber hinaus Kriterien erarbeitet, die sich insbesondere den Wirkungsrisiken widmen, die eine Entwicklungsbeeinträchtigung bzw. -gefährdung von Kindern und Jugendlichen zur Folge haben.

Unzulässige Inhalte

Unzulässige Angebote dürfen weder im Rundfunk noch in den Telemedien verbreitet werden. Insbesondere sind Angebote unzulässig, die Krieg oder Gewalt verherrlichen oder verharmlosen und die Gewalt-, Tier- oder Kinderpornografie darstellen. 

Unzulässig gemäß § 4 JMStV sind Angebote mit folgenden Inhalten (Auswahl): 

  • Verwendung von Kennzeichen verfassungswidriger Organisationen
  • Aufstachelung zum Rassenhass
  • Verharmlosung von Handlungen, die unter der Herrschaft des Nationalsozialismus begangen wurden
  • Pornografie
  • Kriegsverherrlichung
  • Darstellung von Kindern und Jugendlichen in unnatürlich geschlechtsbetonter Körperhaltung (sog. "Posen-Darstellungen")
  • Verletzung der Menschenwürde, insbesondere durch die Darstellung von Menschen, die sterben oder schweren körperlichen oder seelischen Leiden ausgesetzt sind

Entwicklungsbeeinträchtigung

Werden Inhalte im Rundfunk als entwicklungsbeeinträchtigend (§ 5 JMStV) eingestuft, unterliegen sie Zugangsbeschränkungen, die durch technische Kontrollmechanismen realisiert werden können. So können bestimmte Gewalt- oder Sexualdarstellungen die Entwicklung von Kindern und Jugendlichen zu einer eigenverantwortlichen und gemeinschaftsfähigen Persönlichkeit beeinträchtigen. Es handelt sich also um jugendschutzrelevante Inhalte, die zwar ein Wirkungsrisiko vermuten lassen, aber nicht jugendgefährdend sind und deshalb weniger strengen Beschränkungen unterliegen. Sie dürfen verbreitet werden, wenn Kinder oder Jugendliche der betroffenen Altersstufe sie nicht wahrnehmen können. Im Rundfunk sind als Zugangsbeschränkungen Vorsperren und Sendezeitgrenzen vorgesehen.

Beurteilungskriterien für entwicklungsbeeinträchtigende Gewaltdarstellungen:

  • Genretypische Darstellung von Gewalthandlungen
  • Realitätsnähe des Genres
  • Grundstimmung der Sendung
  • Ausprägung der Gewaltaktionen
  • Spannungspotenzial der Sendung
  • Kontext der Gewaltausübung; Identifikationsangebote durch gewaltausübende Figuren
  • filmtechnische Gestaltung 

Beurteilungskriterien für entwicklungsbeeinträchtigende Sexualdarstellungen:

  • Sexualdarstellungen, die nicht dem Entwicklungsstand von Kindern und Jugendlichen entsprechenden, wie außergewöhnliche Sexualpraktiken
  • stereotype Geschlechterrollen mit diskriminierenden Verhaltensmustern
  • Verknüpfung von Sexualität und Gewalt, insbesondere wenn Kinder oder Jugendliche betroffen sind
  • Verharmlosung oder Idealisierung von Prostitution oder promiskuitivem Verhalten