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    Web 2.0 - Abenteuerspielplatz mit großen Sicherheitsmängeln

    17/2008 (03.11.2008)


    Das Internet und seine speziellen Risiken für Kinder - das war vergangene Woche Thema des Panels der Kommission für Jugendmedienschutz (KJM) im Rahmen der MEDIENTAGE MÜNCHEN. Denn, so hob der KJM-Vorsitzende Prof. Dr. Wolf-Dieter Ring in seinem einleitenden Referat hervor: „Je jünger die Internet-Nutzer sind, desto mehr Inhalte sind für sie nicht geeignet." Und: „Über dieses Medium werden jugendgefährdende Angebote in einer Quantität verbreitet, die weit über das hinausgeht, was beispielsweise im Fernsehen zu finden ist." Deshalb forderte er die Internetbranche auf, effiziente Jugendschutzfilter und ein Klassifizierungsverfahren für eine Filterung und Alterseignung anzubieten: „Manchmal wirkt die Zurückhaltung der Internet-Branche in Sachen Jugendmedienschutz auf mich gerade so, als ob sich das Bewusstsein, dass das Internet kein rechtsfreier Raum sein darf, erst noch etablieren müsse."
    Ein Eindruck, den Vertreter der Anbieter widerlegen wollten. So verwies Sabine Frank, Geschäftsführerin der Freiwilligen Selbstkontrolle Multimedia (FSM), auf bereits existierende einzelne technische Schutzmodule wie beispielsweise so genannte „White Lists". Sie sagte: „Es liegt in der Verantwortlichkeit der Eltern, solche vorhandenen Tools einzusetzen."
    Dem widersprach Friedemann Schindler, Leiter von jugendschutz.net, einer länderübergreifenden Einrichtung, die organisatorisch an die KJM angeschlossen ist: „Laut Jugendmedienschutz-Staatsvertrag ist der Anbieter für den vorsorglichen Schutz verantwortlich." Er forderte deshalb die Inhalte-Anbieter auf, Grundsicherungen bereits vorzuinstallieren.
    Dass das möglich ist, bestätigte Dorothee Belz, Director Law and Corporate Affairs bei Microsoft Deutschland. Da der Jugendschutz aber in allen Ländern einen unterschiedlich hohen Stellenwert habe, sei das für ein international agierendes Unternehmen wie das ihre allerdings kaum machbar. „Eine jugendschutztechnische Vorkonfiguration ist möglich, aber der Aufwand ist extrem hoch", so ihre Begründung.
    Genau das sei das Thema, die in der Öffentlichkeit verstärkt diskutiert werden müsse, betonte Verena Weigand, die Leiterin der KJM-Stabsstelle. Sie stelle deshalb zwei Fragen in den Raum: „Wie viel ist der Jugendschutz unserer Gesellschaft eigentlich wert?" Und: „Was darf er ein Unternehmen kosten?"
    Dr. Tobias Schmid, Vizepräsident des Verbands Privater Rundfunk und Telemedien (VPRT) und Bereichsleiter Medienpolitik bei RTL, kritisierte „unterschiedliche Maßstäbe bei der Aufsicht von Rundfunk- und Telemedieninhalten". Dabei schloss er auch die öffentlich-rechtlichen Anbieter - die nicht unter der Aufsicht der KJM, sondern unter der ihrer eigenen Gremien stehen - nicht aus: „Es sollte eine einheitliche Aufsicht und gleiche Regeln für öffentlich-rechtliche und private Anbieter geben."
    Trotz aller Kontroversen war sich die Runde am Ende in einem einig: Jugendschutz im Internet lässt sich nur durch ein Zusammenwirken verschiedenster Maßnahmen und Instrumente durchsetzen. Dabei seien alle am Mediensystem Beteiligten - die Anbieter, die Selbstkontrolleinrichtungen, die Aufsicht und nicht zuletzt auch die Medienpädagogik - gefragt. Weigand: „Gerade bei der Problematik des Web 2.0 mit seinen Foren und Chats stehen wir noch vor großen Herausforderungen. Auch dynamischere Möglichkeiten der Aufsicht werden hier diskutiert werden müssen."
                  
    Weitere Informationen finden Sie auf unserer Homepage unter www.kjm-online.de. 
     
    Die Kommission für Jugendmedienschutz (KJM) hat sich am 2. April 2003 konstituiert. Sie nimmt gemäß dem Jugendmedienschutz-Staatsvertrag (JMStV) die Aufsicht über Rundfunk und Telemedien (Internet) wahr. Mitglieder sind sechs Direktoren der Landesmedienanstalten, vier von den Ländern und zwei vom Bund benannte Sachverständige. 
     
    Mitglieder der KJM:
    Vorsitz: Prof. Dr. Wolf-Dieter Ring; stv. Vorsitz: Manfred Helmes
    Prof. Dr. Ben Bachmair, Jochen Fasco, Thomas Fuchs, Folker Hönge,
    Thomas Krüger, Prof. Kurt-Ulrich Mayer, Elke Monssen-Engberding,
    Sigmar Roll, Wolfgang Schneider, Frauke Wiegmann
     
    Stellvertretende Mitglieder:
    Reinhold Albert, Dr. Gerd Bauer, Dr. Hans Hege, Martin Heine, Dr. Udo Helmbrecht, Dr. Uwe Hornauer, Sebastian Gutknecht, Bettina Keil, Petra Meier,
    Petra Müller, Prof. Dr. Horst Niesyto, Prof. Wolfgang Thaenert
     
    Für Rückfragen wenden Sie sich bitte an die Leiterin der KJM-Stabsstelle:
    Verena Weigand, Tel. 089/63808-262 oder E-Mail stabsstelle@kjm-online.de.
     

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