
Orientierungshilfe für Eltern und Kinder in der digitalen Medienwelt nötig
08/2008 (03.04.2008)
Jugendschützer, Medienpädagogen, Fernsehsender und Internetanbieter müssen alle ihnen zur Verfügung stehenden Mittel einsetzen, um Eltern und Heranwachsenden Orientierungs-hilfe in der digitalen Medienwelt zu bieten. Dies war das Fazit der Podiumsdiskussion "Wie nimmt die Öffentlichkeit Jugendmedienschutz wahr?", zu der die Kommission für Jugendme-dienschutz (KJM) anlässlich ihres fünfjährigen Bestehens eingeladen hatte und die von Bun-te-Chefredakteurin Patricia Riekel moderiert wurde.
In ihrem Vortrag machte Prof. Dr. Helga Theunert, Wissenschaftliche Direktorin des Instituts für Medienpädagogik in Forschung und Praxis München (JFF), die Sicht von Eltern und Ju-gendlichen auf das derzeitige Jugendmedienschutzsystem deutlich. Die Generationenkluft - vor allem aber das mangelnde Technikverständnis und -interesse - mache es Eltern schwer, die Mediennutzung ihrer Kinder zu kontrollieren. In einer Befragungen habe das JFF festge-stellt, dass "viele Eltern in der Lage sind, Kinder in den ersten Jahren ihrer Mediennutzung aufmerksam zu begleiten, allerdings wird diese Aufmerksamkeit geringer, sobald die Heran-wachsenden in die digitale Medienwelt eintauchen", erklärte Theunert.
Philipp Schindler, Google Nordeuropa-Chef, betonte die Bedeutung des Themas Jugendme-dienschutz für Google. "Es ist mit das Verdienst der KJM, dass wir in Deutschland u.a. mit den Selbstkontrolleinrichtungen, Filtersystemen und Projekten wie z.B. "Ein Netz für Kinder" eine Vorreiterrolle beim Jugendschutz innehaben", sagte Schindler. Nach seiner Auffassung müssten zukünftig einheitliche internationale Standards erreicht werden. Dafür setze sich Google als global agierendes Unternehmen besonders ein.
Der KJM-Vorsitzende Prof. Dr. Wolf-Dieter Ring betonte, dass sich private Rundfunkanbieter wie Premiere mittlerweile gerade durch Jugendschutzvorkehrungen im Wettbewerb positiv positionieren konnten. Er machte jedoch auch darauf aufmerksam, dass trotz gleicher Rechtsgrundlagen eine gemeinsame Jugendmedienschutzaufsicht, unter die auch öffentlich-rechtliche Sender fallen, weiterhin fehle. Dies sei nicht nachvollziehbar, weil auch das Pro-gramm des öffentlich-rechtlichen Rundfunks nicht frei sei von Problemen mit dem Jugend-medienschutz und für alle Angebote die gleichen Kriterien gelten sollten.
"Respekt vor dem Einzelnen sollte das Prinzip aller Medienschaffenden sein", unterstrich der Moralkolumnist des SZ-Magazins Dr. Rainer Erlinger. Allerdings sagte er auch, dass "jeder auch selbst dafür verantwortlich ist, sich zu informieren und vor Risiken zu schützen." Jürgen Doetz, der Präsident des Verbandes Privater Rundfunk und Telemedien (VPRT), sieht den "Jugendmedienschutz in Deutschland in hohem Maße gewährleistet." Dennoch gebe es im-mer wieder "Ausreißer". Präventive Maßnahmen, vor allem die medienpädagogische Unter-stützung von Eltern, sollten ausgebaut werden, um Jugendmedienschutz nicht nur als "re-pressiven Verbotsschutz" wahrnehmbar zu machen.
Die Kommission für Jugendmedienschutz (KJM) hat sich am 2. April 2003 konstituiert. Sie nimmt gemäß dem Jugendmedienschutz-Staatsvertrag (JMStV) die Aufsicht über Rundfunk und Telemedien (Internet) wahr. Mitglieder sind sechs Direktoren der Landesmedienanstalten, vier von den Ländern und zwei vom Bund benannte Sachverständige.
Mitglieder der KJM:
Vorsitz: Prof. Dr. Wolf-Dieter Ring; stv. Vorsitz: Manfred Helmes
Reinhold Albert, Prof. Dr. Ben Bachmair, Jochen Fasco, Thomas Fuchs,
Folker Hönge, Thomas Krüger, Prof. Kurt-Ulrich Mayer, Elke Monssen-Engberding,
Sigmar Roll, Frauke Wiegmann
Stellvertretende Mitglieder:
Dr. Gerd Bauer, Dr. Hans Hege, Martin Heine, Dr. Udo Helmbrecht,
Dr. Uwe Hornauer, Sebastian Gutknecht, Bettina Keil, Petra Meier,
Petra Müller, Prof. Dr. Horst Niesyto, Wolfgang Schneider, Prof. Wolfgang Thaenert
Für Rückfragen wenden Sie sich bitte an die Leiterin der KJM-Stabsstelle:
Verena Weigand, Tel. 089/63808-262 oder E-Mail stabsstelle@kjm-online.de.

