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    3. Zukunftswerkstatt zum Thema „Kinder und Internet in Europa“:Finanzielle Förderung kindgerechter Online-Inhalte und europäische Vernetzung für Jugendmedienschutz im Internet gefordert

    07/2006 (10.05.2006)


    Kinder finden im Netz noch viel zu wenig kindgerechte Webseiten und auch zu wenig über Europa. In die Gestaltung kindgerechter Online-Inhalte müsste einfach mehr Geld investiert werden, forderten die Teilnehmer an der dritten Zukunftswerkstatt am 5. Mai 2006 in Berlin. Der EKD-Rundfunkbeauftragte Bernd Merz forderte gar die Aufstellung eines „Masterplans“ für kinderadäquate Online-Inhalte auf europäischer Ebene.

    Auf Ein­ladung der Evangelischen Kirche Deutschlands (EKD), der Bundeszentrale für poli­tische Bildung (bpb) und der Kommission für Jugendmedienschutz (KJM) waren rund 100 Teilnehmer aus Medienpolitik, Aufsicht, Medienpäda­gogik, kirchlichen Institutionen und aus der Online-Branche gekom­men, um über das Thema „Kinder und Internet in Europa: Andere Länder – andere Sitten?“ zu diskutieren. Die Schirm­herrschaft hatte erstmals EU-Kommissa­rin Viviane Reding, zuständig für Informationsgesell­schaft und Medien, übernommen.

    Um gegen Jugendschutzprobleme im Netz vorgehen zu können, reicht Selbstregulierung allein nicht aus, sondern es muss auch eine Aufsichtsinstanz geben, die den rechtlichen Rahmen bestimmt, betonte KJM-Vorsitzender Prof. Dr. Wolf-Dieter Ring. Mit Blick auf die Revision der EU-Fern­sehrichtlinie befürwortete er ein „System der Koregulierung“: „Reine Selbstregulierung“ wäre nach § 3 im Entwurf zur neuen Richt­linie „keine sachgerechte Um­setzung mehr in Europa“. Hans-Ernst Hanten, Ministerialdirigent beim Be­auf­­tragten der Bundesregierung für Kultur und Medien, bestätigte in Sachen Kore­­gu­lierung die Vorreiterrolle Deutschlands in Europa und kündigte an, 2007 im Jahr der deutschen EU-Ratspräsident­schaft, auch die Forderung nach mehr kindgerechten Online-Inhalten zu berücksichtigen.

    Welche Maßnahmen das Safer-Internet-Programm der EU-Kommission beinhaltet, hatte Horst Forster, Direktor Informationsgesellschaft und Medien der EU-Kommission, zu Beginn der Tagung geschildert. Neben den Regulierungsaspekten (vor allem Revision der EU-Fernsehrichtlinie) sind in diesem Zusammenhang vor allem ein europäisches Netzwerk von Beschwerdestellen und Medienkompetenzinitiativen wie die deutsche Kampagne „Klick­safe.de“ zu nennen. „Mehr Sicherheit im Internet durch Medien­kompetenz“ zu schaffen, ist das Ziel von Klicksafe.de, dem deutschen Knotenpunkt des Safer-Internet-Programms im europäischen Netzwerk. Manfred Helmes, Koordinator der Kampagne in Deutschland, präsentierte den Klicksafe-Spot, der von großen Radiosendern und bundesweiten TV-Stationen u.a. zum Safer-Internet-Day 2006 gezeigt wurde.

    Um die europäische Vernetzung mit Blick auf kindgerechte Online-Inhalte forcieren zu können, müssten noch mehr Daten über die Nutzung des Internets in den europäischen Ländern durch Kinder und Jugendliche bekannt sein. Es liefen zwar Projekte wie „EU kids online“, es mangele aber an qualitativen Daten über die Nutzungskultur, resümierte Prof. Dr. Burkhard Fuhs von der Universität Erfurt. Ein weiterer Kritikpunkt: „Europa ist im Netz nicht genügend für Kinder umgesetzt.“ Außerdem fehlten mehrsprachige Seiten.

    Über die Möglichkeit, einen Austausch zwischen Kindern aus verschiedenen Nationen über das Web zu ermöglichen, habe Disney schon nachgedacht, bestätigte Thomas Lang von der Walt Disney Company auf Nachfrage. Das Problem daran sei aber die Kernzielgruppe von Dis­ney, die bis zum Alter von elf Jahren reiche. In diesem Alter verfügten Kinder meist über zu wenig Sprachkenntnisse für einen internationalen Chat. Als idealen Begegnungsort für verschiedene Religionen bezeichnete Prof. Johanna Haberer von der Universität Erlangen-Nürnberg das Internet. Leider gebe es aber zu wenig kin­der­affine Webseiten mit Informationen über Religionen. Deshalb wäre der Aufbau eines euro­päischen Religionsportals sinnvoll.

    Wie mit Gebührenunterstützung und hoher Finanzkraft qualitativ hochwertige Kinderseiten im Netz gestaltet werden können, zeigte Stuart Gunn, Interactive Content Producer bei der BBC. 1,8 Millionen Kinder nutzten jede Woche die BBC-Sites, so Gunn, die Nutzung wäre im letzten Jahr um 64% angewachsen.

    Das Beispiel der BBC zeige, wie wichtig die Investition in Angebote für Kinder im Netz sei, betonte Friedemann Schindler, Leiter von jugendschutz.net, in der abschließenden Podiums­diskussion. Er forderte insbe­sondere die Politik auf, sich zu überlegen, was Kin­derschutz wert ist und entsprechende Projekte finanziell stärker zu unterstützen. Außerdem wäre es häufig ein Pro­blem, kinderrelevante Inhalte im Netz überhaupt zu finden. Deshalb brauche man eine Art „Verkehrsleitplanung“. Diese Anregung nehme er gerne mit, entgegnete Harald Geywitz von AOL Deutschland, der mit Verweis auf den AOL-Sicher­heitsrat verdeutlichte, dass AOL seine gesellschaftliche Verantwortung ernst nehme.

    Den Unternehmen und Selbstkontrolleinrichtungen allein die Verantwortung zu überlas­sen, reiche angesichts der zahlreichen Verstöße gegen Jugendschutzbestimmungen aber bei weitem nicht aus, hatte zuvor Verena Weigand, Leiterin der KJM-Stabsstelle, in einem Streit­gespräch mit Prof. Dr. Roland Rosenstock (Universität Greifswald) betont. Sie warnte davor, Medienpädagogik und Jugendmedienschutz zu vermischen, nachdem Rosenstock kritisiert hatte, dass das Geld „an falscher Stelle“ ausge­geben würde.

    Die Kommission für Jugendmedienschutz (KJM) hat sich am 2. April 2003 konstituiert. Sie nimmt gemäß dem Jugendmedienschutz-Staatsvertrag (JMStV) die Aufsicht über Rund­funk und Telemedien (Internet) wahr. Mitglieder sind sechs Direktoren der Landesmedienanstalten, vier von den Ländern und zwei vom Bund benannte Sachverständige.

    Mitglieder der KJM:
    Vorsitz: Prof. Dr. Wolf-Dieter Ring; Stv. Vors.: Dr. Lothar Jene, Prof. Dr. Ben Bachmair, Manfred Helmes, Dr. Victor Henle, Folker Hönge, Thomas Krüger, Prof. Kurt-Ulrich Mayer, Elke Monssen-Engberding, Sigmar Roll, Prof. Wolfgang Thaenert, Frauke Wiegmann

    Stellvertretende Mitglieder:
    Reinhold Albert, Dr. Gerd Bauer, Dr. Hans Hege, Jürgen Hilse, Dr. Uwe Hornauer, Bettina Keil, Petra Meier, Petra Müller, Prof. Dr. Horst Niesyto, Michael Schneider, Gernot Schumann, Christian Schurig

    Für Rückfragen wenden Sie sich bitte an die Leiterin der KJM-Stabsstelle,
    Verena Weigand, Tel.: 089/63808-262 oder e-mail: stabsstelle@kjm-online.de

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