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    KJM-Veranstaltung in Leipzig: „Das Internet als Gewaltbörse?“ - Gesellschaftlicher Konsens über Jugendschutzstandards für Internet notwendig

    05/2004 (05.05.2004)


    Das Internet zeigt sich nicht regulierungsresistent, aber nur eine Vielzahl von Maßnahmen ist geeignet, um Jugendschutz im Internet zu realisieren. Darüber waren sich die Vertreter aus der Jugendschutzaufsicht und der Jugendforschung einig, die auf Einladung der Kommission für Jugendmedienschutz (KJM) beim Medientreffpunkt Mitteldeutschland am 3. Mai in Leipzig über Auswirkungen von Gewaltdarstellungen im Internet und mögliche Schutzmaßnahmen diskutierten. KJM-Vorsitzender Prof. Dr. Wolf-Dieter Ring mahnte in diesem Zusammenhang einen gesellschaftlichen Konsens über die Notwendigkeit von Jugendschutzstandards für das Internet an und forderte eine Verstärkung des internationalen Dialogs, um auch auf internationaler Ebene gemeinsame Schutzstandards durchsetzen zu können.

    Als Problem kristallisierte sich auf dem Podium die zunehmende Verdichtung eines „zweiten“, nicht kommerziellen Netzes im Internet heraus, das gewaltverherrlichende, pornographische und rechtsradikale Inhalte biete, die in traditionellen Medien nicht zu finden sind. Beispiele für Gewaltverherrlichung im Internet zeigte Friedemann Schindler, Leiter von jugendschutz.net, zu Beginn der Diskussion. Dass der Konsums solcher Websites alleiniger Auslöser für Gewaltbereitschaft von Jugendlichen sei, wie teilweise behauptet, wies Jugendforscher Prof. Dr. Richard Münchmeier in seiner Einführung entschieden zurück. Dafür gebe es keine empirischen Belege. Seine zentralen Thesen: Medien verstärken bereits vorhandene Haltungen. Mit dem Internet werde das lokale, lebendige, soziale Netzwerk durch ein internationales, virtuelles Netzwerk ersetzt. Gewaltprävention, so Münchmeier, müsse früher, nämlich vor Ort durch intensive Jugendarbeit, ansetzen.

    Eltern wären mit der Kontrolle des Internet-Konsums ihrer Kinder häufig überfordert, berichtete der Moderator der Veranstaltung, Prof. Dr. Bernd Schorb, aus den Ergebnissen einer Fallstudie an der Universität Leipzig. Wenn die Prävention aber so schwierig sei, welche Rolle müsse dann der Jugendmedienschutz übernehmen? Regulierungsmaßnahmen könnten nur Teil einer Gesamtstrategie sein, die auch konstruktive Lösungen wie Jugendschutzprogramme (Filtersysteme) oder medienpädagogische Hilfestellungen enthalten müssten, so die Antwort des KJM-Vorsitzenden Ring. Er widersprach damit Netzkünstler Sebastian Luetgert, der betonte: „Sicherheit im Internet ist unterhalb von polizeistaatlichen Maßnahmen nicht zu erreichen.“

    Schwer regulierbar sei das Internet vor allem wegen seiner Internationalität. Der Großteil der als jugendgefährdend indizierten Seiten finde sich auf ausländischen Servern, berichtete Elke Monssen-Engberding, Vorsitzende der Bundesprüfstelle für jugendgefährdende Medien (BPjM). Diese Entwicklung bestätigte auch Sabine Frank, Geschäftsführerin der Freiwilligen Selbstkontrolle Multimedia-Diensteanbieter (FSM). Sie wies außerdem darauf hin, dass genau zwischen kommerziellen und nicht-kommerziellen Angeboten unterschieden werden müsse. Mit der Kombination aus Regulierung und Selbstregulierung, wie es das neue Jugendschutzmodell vorsehe, sei man aber auf einem guten Weg.

    Die Kommission für Jugendmedienschutz (KJM) hat sich am 2. April 2003 konstituiert. Sie nimmt gemäß dem Jugendmedienschutz-Staatsvertrag (JMStV) die Aufsicht über Rundfunk und Telemedien (Internet) wahr. Mitglieder sind sechs Direktoren der Landesmedienanstalten, vier von den Ländern und zwei vom Bund benannte Sachverständige.

    Mitglieder der KJM:
    Vorsitz: Prof. Dr. Wolf-Dieter Ring; Stv. Vors.: Dr. Lothar Jene, Reinhold Albert, Prof. Dr. Ben Bachmair, Manfred Helmes, Dr. Victor Henle, Folker Hönge, Thomas Krüger, Prof. Kurt-Ulrich Mayer, Elke Monssen-Engberding, Sigmar Roll, Frauke Wiegmann

    Stellvertretende Mitglieder:
    Dr. Gerd Bauer, Dr. Hans Hege, Prof. Dr. Horst Heidtmann, Jürgen Hilse, Bettina Keil, Petra Meier, Petra Müller, Michael Schneider, Gernot Schumann, Christian Schurig, Prof. Wolfgang Thaenert

    Für Rückfragen wenden Sie sich bitte an die Leiterin der KJM-Stabsstelle,
    Verena Weigand, Tel.: 089/63808-262 oder e-mail: 
    stabsstelle@kjm-online.de.

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