
KJM und EKD weiten Wertediskurs auf das Internet aus - Gemeinsame Fachveranstaltung zu Kinderangeboten im Netz
03/2004 (06.04.2004)
Die Kommission für Jugendmedienschutz (KJM) und die Rundfunkarbeit der Evangelischen Kirche in Deutschland (EKD) haben mit einer gemeinsamen Veranstaltung am 01.04.04 den Auftakt zu einer breiten Diskussion über „Qualitätskriterien für Kinderangebote im Internet“ gegeben. KJM und EKD führen damit die gemeinsame Arbeit von Medienaufsicht und evangelischer Kirche zur Förderung von Qualität und Werten in den Medien für das Internet fort
Das Internet bedeutet für die bewährte Zusammenarbeit von Aufsicht und Kirche angesichts vieler extremer Inhalte eine neue Herausforderung. Trotz der erheblichen Gefahren für Kinder und Jugendliche im Internet dürfe sich die Diskussion nicht allein auf Missstände beschränken, so Prof. Dr. Wolf-Dieter Ring in seinem Grußwort. Als Vorsitzender der KJM, die sich gemäß ihrem gesetzlichen Auftrag auf die Schattenseiten des Mediums konzentriere, freue er sich deshalb besonders über einen Wechsel der Perspektive. „Die Diskussion über Qualitätskriterien und die Förderung wertvoller Kinderangebote im Internet darf nicht zu kurz kommen“, so Ring. „Nicht nur die Grenzen, sondern auch die Möglichkeiten des Mediums für Kinder müssen aufgezeigt und genutzt werden."
Auch Bernd Merz, Rundfunkbeauftragter der EKD, machte in seinem Grußwort deutlich, dass die evangelische Kirche die Herausforderung annimmt: „Es ist selbstverständlich, dass die Kirche ihre Wertediskussion und -vermittlung auch in Bezug auf das Internet fortsetzt - in einer aufgeschlossenen, lebendigen und aktiven Weise.“
Die Fachveranstaltung, zu der neben Vertretern von Kirche, Medienaufsicht und Selbstkontrolle insbesondere auch Anbieter von Kinderseiten eingeladen waren, begann mit einem Blick in die Forschung, um mit Erkenntnissen zum Nutzungsverhalten von Kindern und Jugendlichen im Internet eine Diskussionsgrundlage zu schaffen. Umfassende Ergebnisse aus drei aktuellen Forschungsprojekten präsentierten Dr. Helga Theunert vom Institut für Medienpädagogik in Forschung und Praxis (JFF), Dr. Christine Feil vom Deutschen Jugendinstitut (DJI) und Sabine Jörk vom Transferzentrum Publizistik und Kommunikation (PuK) in München.
In der anschließenden Präsentation aus der Praxis wechselten sich kommerzielle und öffentlich-rechtliche Anbieter ab. Die Beispiele von RTL DISNEY, KI.KA und Volkswagen machten deutlich, wie breit das Spektrum der Definition von Qualität für Kinderangebote sein kann. Insbesondere die Einbindung von Werbung auf Kinderseiten warf dabei Fragen auf.
Daneben berichteten zwei Interessengruppen von ihren unterschiedlichen Erfahrungen und Aktivitäten: Bei der Selbstkontrolle der Internetwirtschaft in Deutschland, der Freiwilligen Selbstkontrolle Multimedia-Diensteanbieter (FSM), zeigt sich eine erste Bereitschaft, einen Beitrag zur Qualitätsdiskussion zu leisten. Die Arbeitsgemeinschaft vernetzter Kinderseiten „seitenstark“ hat mit bislang ehrenamtlichem Engagement bereits ein beeindruckendes Netzwerk an kindgerechten Angeboten geschaffen und macht sich ab Mai diesen Jahres einen moderierten und sicheren Kinder-Chat zur Aufgabe.
In ihrem gemeinsamen Schlusswort mahnten Verena Weigand, Leiterin der KJM-Stabsstelle, und Prof. Dr. Reiner Anselm von der Universität Göttingen die Notwendigkeit des gesamtgesellschaftlichen Rückhalts und des Zusammenwirkens aller an. Die Tagung habe gezeigt, dass ergänzend zum Wertediskurs die konkrete Umsetzung in der Praxis gefragt sei. Dies bedeute finanzielle Förderung von Forschung und Medienpädagogik auch in Zeiten der Geldknappheit.
Moderatorin Prof. Johanna Haberer von der Universität Erlangen, Vorgängerin von Merz im Amt des Rundfunkbeauftragten der EKD, betonte zum Abschluss der Tagung, dass diese als erstes Forum für eine breite Diskussion zu verstehen sei: „Wir werden darauf aufbauen und die Vernetzung verschiedener Ansätze zum Wohl unserer Kinder und Jugendlichen und der gesamten Gesellschaft weiter vorantreiben.“
Die Kommission für Jugendmedienschutz (KJM) hat sich am 2. April 2003 konstituiert. Sie nimmt gemäß dem Jugendmedienschutz-Staatsvertrag (JMStV) die Aufsicht über Rundfunk und Telemedien (Internet) wahr. Mitglieder sind sechs Direktoren der Landesmedienanstalten, vier von den Ländern und zwei vom Bund benannte Sachverständige.
Mitglieder der KJM:
Vorsitz: Prof. Dr. Wolf-Dieter Ring; Stv. Vors.: Dr. Lothar JeneReinhold Albert, Prof. Dr. Ben Bachmair, Manfred Helmes, Dr. Victor Henle, Folker Hönge, Thomas Krüger, Prof. Kurt-Ulrich Mayer, Elke Monssen-Engberding, Sigmar Roll, Frauke Wiegmann
Stellvertretende Mitglieder:
Dr. Gerd Bauer, Dr. Hans Hege, Prof. Dr. Horst Heidtmann, Jürgen Hilse, Bettina Keil, Petra Meier, Petra Müller, Michael Schneider, Gernot Schumann, Christian Schurig, Joachim Steinmann, Prof. Wolfgang Thaenert
Für Rückfragen wenden Sie sich bitte an die Leiterin der KJM-Stabsstelle, Verena Weigand,
Tel.: 089/63808-262 oder e-mail: stabsstelle@kjm-online.de

