
KJM prüft Dschungelshow auf RTL Kein Verstoß gegen die Menschenwürde, aber aus Jugendschutzsicht grenzwertig
02/2004 (26.01.2004)
Die RTL-Sendung „Ich bin ein Star – Holt mich hier raus!“ verstößt zwar nicht gegen die Menschenwürde – dies wäre medienrechtlich mit einem Ausstrahlungsverbot verbunden – , aber sie wirft grundlegende medienethische Fragen auf. Zu diesem Ergebnis ist die Kommission für Jugendmedienschutz (KJM) in ihrer Sitzung am 21. Januar gekommen. Geprüft wurde auch, ob zwei Sendungen, die vor 22 Uhr ausgestrahlt wurden, die Entwicklung von 12-16-Jährigen zu gemeinschaftsfähigen Persönlichkeiten beeinträchtigen und damit die Jugendschutzbestimmungen verletzen. Das wurde nach intensiver Diskussion zwar verneint, aber es wurde festgehalten, dass die Sendungen sich nah an der Grenze zum Verstoß bewegen.
Gegenstand der Diskussion waren auch die Ankündigungen von RTL, weitere verschärfte Staffeln und Formate auszustrahlen. Die KJM machte deutlich, dass RTL in diesem Fall ein erhebliches Risiko eingeht, die Grenze zum Verstoß zu überschreiten.
Des Weiteren fordert die KJM künftig eine stärkere Einbindung der Freiwilligen Selbstkontrolle Fernsehen (FSF). Die Dschungelshow ist ein Format, das in anderen Ländern bereits ausgestrahlt wurde. Videos dieser Sendungen wurden den Kandidaten vorgeführt. Die Sendungen sind auch nur zu geringen Teilen live ausgestrahlt worden. Die KJM ist deshalb der Ansicht, dass RTL die FSF auf jeden Fall vor der Ausstrahlung hätte einbinden können und müssen. Wie KJM-Vorsitzender Prof. Dr. Wolf-Dieter Ring betonte, sei die in der Öffentlichkeit breit diskutierte Dschungelshow ein Beispiel dafür, dass die „regulierte Selbstregulierung“ auf dem Prüfstand steht. Das neue Aufsichtsmodell sollte nach dem Willen der Politik Selbstregulierung und Vorabkontrolle stärken, so Ring. Wenn sich jedoch zeige, dass gerade bei derartig problematischen Sendungen die Selbstkontrolle nicht tätig wird, sei der Sinn verfehlt. Die KJM wird Vorstand und Geschäftsführung der FSF zu einem Gespräch einladen, um diese Fragen zu klären.
Ihre Entscheidung, dass „Ich bin ein Star – Holt mich hier raus!“ nicht gegen die Menschenwürde verstößt, begründete die KJM in erster Linie damit, dass die durchweg medienerfahrenen Camp-Bewohner ausreichende Kenntnis über die Abläufe hatten, sich freiwillig zur Verfügung stellten und jederzeit aus den Dschungelprüfungen hätten aussteigen können. Sie seien nicht nur wehrlose Anschauungs- oder Belustigungsobjekte für die Zuschauer gewesen. Die Spielregeln seien unter medienethischen Gesichtspunkten zwar kritisch zu hinterfragen, reichten aber für die Annahme eines Verstoßes gegen die Menschenwürde nicht aus.
Problematischer sieht die KJM jedoch die Frage danach, ob die Entwicklung von Kindern und Jugendlichen im Alter von 12-16 Jahren durch die Dschungelshow beeinträchtigt werden könnte (nach § 5 des Jugendmedienschutz-Staatsvertrages). Die Grenze zum Verstoß sei zwar noch nicht überschritten worden, so die KJM. Dies könne bei einer weiteren Steigerung problematischer Elemente in Folgeformaten jedoch durchaus möglich sein. Die Gründe dafür: Häme, Spott und Schadenfreude ziehe sich durch alle Sendungen der Dschungelshow hindurch. Diese Wirkung werde vor allem durch die Kommentare der Moderatoren noch erhöht. Die bei Kindern und Jugendlichen ohnehin vorhandenen Tendenzen zu Ausgrenzung und Hänseleien könnten dadurch legitimiert oder noch verstärkt werden. Die Vermittlung wichtiger sozialer Werte wie Verständnis, Achtung und Respekt Anderen gegenüber werde somit konterkariert.
Die Kommission für Jugendmedienschutz (KJM) hat sich am 2. April 2003 konstituiert. Sie nimmt gemäß dem Jugendmedienschutz-Staatsvertrag (JMStV) die Aufsicht über Rundfunk und Telemedien (Internet) wahr. Mitglieder sind sechs Direktoren der Landesmedienanstalten, vier von den Ländern und zwei vom Bund benannte Sachverständige.
Mitglieder der KJM:
Vorsitz: Prof. Dr. Wolf-Dieter Ring; Stv. Vors.: Dr. Lothar Jene
Reinhold Albert, Prof. Dr. Ben Bachmair, Manfred Helmes, Dr. Victor Henle, Folker Hönge, Thomas Krüger, Prof. Kurt-Ulrich Mayer, Elke Monssen-Engberding, Sigmar Roll, Frauke Wiegmann
Stellvertretende Mitglieder:
Dr. Gerd Bauer, Dr. Hans Hege, Prof. Dr. Horst Heidtmann, Jürgen Hilse, Bettina Keil, Petra Meier, Petra Müller, Michael Schneider, Gernot Schumann, Christian Schurig, Joachim Steinmann, Prof. Wolfgang Thaenert
Für Rückfragen wenden Sie sich bitte an die Leiterin der KJM-Stabsstelle, Verena Weigand,
Tel.: 089/63808-262 oder e-mail: stabsstelle@kjm-online.de

